Betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Männer. Die erweiterten Venen können unter der Hodensackhaut sichtbar und fühlbar auftreten. Es kann zu Missempfindungen bis hin zu Schmerzen kommen, die gelegentlich bis in die Leiste ausstrahlen können. Aber nicht  immer wird von den Betroffenen eine Veränderung bemerkt.

Als Folge der Erweiterung der Venen befindet sich eine größere Blutmenge im betroffenen Teil des Hodensackes als normal. Durch diese größere Blutmenge steigt im Hoden selbst die Temperatur und es kann dazu kommen, dass weniger Samenzellen gebildet werden. Weiterhin kann Blut von der Nebenniere in Richtung des Hodens zurückfließen. Dies kann zu einer Erhöhung der Noradrenalin-Konzentration in der Varikozele und durch Diffusion auch in der Arterie, die den Hoden versorgt, führen, was dann eine Verminderung der Durchblutung des Hodens mit der Folge einer Hodenschrumpfung auslösen kann.

Am Ende können diese Faktoren zur Einschränkung der Zeugungsfähigkeit führen. Auch eine Verkleinerung des Hodens kann auftreten.

Die Varikozele stellt nicht immer einen behandlungsbedürftigen Befund dar. Sie kann im Rahmen einer Fruchtbarkeitsstörung aber eine krankhafte Bedeutung haben. Da die Varikozele nur bei einem Teil der betroffenen Männer zu einer Störung der Zeugungsfähigkeit führt, wird die Notwendigkeit einer Behandlung von Ärzten unterschiedlich beurteilt.

Einigkeit besteht darüber, dass bei einer Varikozele und eingeschränkter Samenqualität (bei noch bestehendem Kinderwunsch) eine Behandlung erfolgen sollte.

Auch Beschwerden stellen eine Behandlungsnotwendigkeit dar.

Bei Kindern und Heranwachsenden, bei denen noch keine Samenuntersuchung möglich ist, sollte die Indikation zu einer Behandlung großzügig gestellt werden, insbesondere wenn der Hoden auf der Seite der Varikozele bereits verkleinert ist oder eine besonders ausgeprägte Varikozele vorliegt.

Bei der Diagnostik in unserer Praxis wird im Rahmen einer körperlichen Untersuchung der Hoden abgetastet, um die Varikozele zu beurteilen. Mit bildgebenden Verfahren, (Ultraschall) wird, neben einer Untersuchung des Hodens selbst, nach möglichen seltenen Ursachen der Varikozele gesucht. Häufig erfolgt eine Untersuchung der Samenflüssigkeit, um eine eventuell schon eingetretene Störung der Zeugungsfähigkeit beurteilen zu können.

Die Behandlung erfolgt in unserer Praxis in den meisten Fällen mit einer Varikozelenverödung (Antegrade Varikozelensklerosierung nach Prof. Dr. Tauber), die ambulant, in örtlicher Betäubung oder in Narkose vorgenommen werden kann.
Von einem kleinen, etwa 2 cm langen Hautschnitt seitlich am Hodensack direkt über dem Samenstrang wird eine der erweiterten Venen freigelegt und mit einem sehr dünnen Kunsttoffschlauch sondiert. Mit dem Einspritzen einer kleinen Kontrastmittelmenge wird mit einer Röntgenkontrolle sichergestellt, dass die „richtige“  Vene gefunden wurde. Anschließend wird ein Medikament eingespritzt, das die Varicozele testis verödet, der Kunsttoffschlauch wird wieder entfernt und die Vene verschlossen. Die Wunde wird mit einem selbstauflösenden Nahtmaterial verschlossen, eine Entfernung der Fäden ist nicht notwendig.

Varikozele
Abb. 2 Varikozele links mit Schnitt bei Verödung


In aller Regel lässt sich die Varikozele mit einer Varikozelenverödung  erfolgreich behandeln. Bis die Venenerweiterung sich aber vollständig zurückgebildet hat, wird ein Zeitraum von 6 bis 12 Monaten vergehen. Erst zu diesem Zeitpunkt kann mit einer Spermienuntersuchung (Spermiogramm) eine Aussage über die Zeugungsfähigkeit getroffen werden. In seltenen Fällen kommt es vor, dass die Varikozele weiterhin besteht; in diesem Fall kann die Varikozelenverödung mit guter Erfolgsaussicht wiederholt werden.